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Friedrich Hölderlin PDF Drucken E-Mail
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Neben dem Lebenslauf unseres Namensgebers finden Sie hier auch Inhalte
seines geistigen Schaffen.

 

 


1770 Am 20. März wird Johann Christian Friedrich Hölderlin als erstes Kind von Johanna Christiana Heyn und Heinrich Friedrich Hölderlin in Lauffen am Neckar geboren. Der Vater stirbt bereits 1772.1774.Die Mutter heiratet ein zweites Mal, die Familie zieht nach Nürtingen um; doch auch sein „zweiter Vater", den Hölderlin sehr geliebt hat, lebt nicht mehr lange: er erliegt 1779 einer „Brustkrankheit".

Ab 1776 besucht Hölderlin zunächst die Lateinschule und später, ab 1786, die Klosterschule von Maulbronn, dort lernt er seine Jugendliebe Louise Nast kennen. Die Beziehung scheitert nach drei Jahren an seinem „mürrischen, mißmutigen und kränkelnden" Wesen.

1778 Hölderlin wechselt ins Tübinger Stift, dort schließt er eine den Musen geweihte Freundschaft mit Rudolf Magenau und Ludwig Neuffer. Hier macht Hölderlin auch die Bekanntschaft mit Hegel und 1793 mit Isaac von Sinclair, der in späteren Jahren eine wichtige Rolle im Leben des Dichters einnehmen wird.

1788  bereist Hölderlin auch zum ersten Mal Heidelberg, die Stadt gefällt ihm „außerordentlich wohl" (s.u.)

1793 Nachdem er am 6. 12. 1793 sein Examen in Stuttgart abgelegt hat, tritt er eine von Schiller vermittelte Hofmeister- (Hauslehrer-) Stelle bei Charlotte von Kalb an. In dieser Zeit beginnen auch seine Arbeiten am Roman „Hyperion".

1795 löst Charlotte von Kalb ihr Dienstverhältnis mit Hölderlin; offizielle Gründe sind Schwierigkeiten zwischen dem Zögling und dem Pädagogen, doch ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, daß Hölderlin ein Verhältnis mit Frau von Kalbs Gesellschafterin Wilhelmine Kirms gehabt hat, die Mitte Juli ein Kind zur Welt bringt.
Gleichzeitig setzt sich Schiller in diesem Jahr für den Druck des „Hyperion" ein. Bei ihm findet auch Hölderlins erstes Zusammentreffen mit Goethe statt, das sehr unglücklich verläuft: „Schiller nannte mich ihm, nannte ihn auch mir, aber ich verstand seinen Namen nicht. Kalt, fast ohne einen Blick auf ihn, begrüßte ich ihn, ..."

1795  lernt Hölderlin bei seinem zweiten Besuch in Heidelberg Johann Gottfried Ebel kennen, der ihm die Hofmeisterstelle bei der Familie Gontard in Frankfurt vermittelt. Am 28. 12. tritt Hölderlin diese Stelle an, verliebt sich in die Hausherrin Susette Gontard, die seine Liebe erwidert. Sie erscheint ihm als Inkarnation aller Ideale: „Lieblichkeit und Hoheit, und Ruh und Leben, und Geist und Gemüth und Gestalt ist Ein seeliges Eins in diesem Wesen." Hölderlin gab ihr den Namen der Priesterin Diotima, von der Sokrates in Platons „Gastmahl" die Geheimnisse der Liebe erfährt. In den Diotima-Gedichten feiert Hölderlin ihr „selig Wesen", ihr „heilig Leben"; er macht sie zur Heldin seines „Hyperion".

1798  Am 25. September wird Hölderlin aus dem Hause Gontard verwiesen, was Hölderlin tief verstört. Er hält weiterhin Kontakt zu Susette Gontard.

1800 Hölderlin schreibt eine Reihe großer Oden, darunter auch „Heidelberg" und „Der Neckar".

1801  Die großen Elegien und Hymnen entstehen. Hölderlin muß eine weitere Hofmeisterstelle nach kurzer Zeit aufgeben.

1802  Hölderlin trifft nach einer langen gefährlichen Fußreise in Bordeaux ein, wo er bei dem Konsul Daniel Meyer wiederum als Hauslehrer angestellt ist, doch auch diesen Posten gibt er nach einigen Monaten auf. Nach der Wanderung zurück in die Heimat erscheint er bei den Freunden mit den „deutlichsten Spuren seiner Geisteszerrüttung." Die Nachricht vom Tode Susette Gontards am 22. 6. verstört ihn völlig. Hölderlin ist in ärztlicher Behandlung. 1802 - 1804 sind die Jahre des langsamen Zerrissenwerdens.

1803 schreibt Schelling über Hölderlin: „ ...daß dieses zart besaitete Instrument auf immer zerstört sei ..." und: „ ... er vernachlässigt sein Äußeres bis zum Ekelhaften ..." Der Bruch in seinem Leben gewinnt Form in dem Gedicht „Hälfte des Lebens" (s.u.)

1804 Sinclair holt den kranken Freund nach Homburg und zahlt ihm aus eigener Tasche ein jährliches Gehalt, von dem Hölderlin glaubt, es stamme vom Landgrafen.

1805  wird Sinclair, ein radikaler Anhänger der französischen Revolution, in Württemberg wegen Hochverrats angezeigt, eine Anklage gegen Hölderlin entfällt; in einem Gutachtens heißt es, „daß sein Wahnsinn in Raserei übergegangen ist." Hölderlin tobt auch gegen Sinclair, er ruft beständig aus: „Ich will kein Jakobiner sein, fort mit allen Jakobinern." Sinclair wird zwar freigelassen, kann sich aber nicht mehr wie bisher um Hölderlin kümmern.

1806  Sinclair liefert den Freund in die Autenriethsche Klinik in Tübingen ein.

1807  Hölderlin wird dem Schreinermeister Zimmer anvertraut, zieht in den Turm am Neckar und wird von Zimmer und seinen Töchtern bis zu seinem Tod aufopfernd gepflegt. Der Wahnsinn hat von ihm Besitz ergriffen. Er führt stundenlange Selbstgespräche, improvisiert auf seinem Klavier und behauptet, sein Name sei Scardanelli. „Noch ehe man sein Zimmer betritt, hört man gewöhnlich innen laut reden, vernimmt aber auf die Frage, ob schon jemand Fremdes da sey, eine verneinende Antwort, man klopft daher an, tritt auf ein ziemlich scharf tönendes ‘Herein’ ein und sieht sich einem Manne gegenüber, der mit vielfachen, tiefen Verbeugungen den Fremdling begrüßt: es ist Hölderlin. Man richtet eine Frage an ihn, etwa ‘Wie befinden Sie sich?’ oder dergleichen, bekommt aber keine Antwort, als einen Schwall unverständlicher Worte." Mit den Jahren mildert sich sein Zustand. Er schreibt gelegentlich jahreszeitliche Gedichte.

1826  Die schwäbischen Dichter Gustav Schwab, Ludwig Uhland und Justinus Kerner geben eine erste Sammlung von Hölderlins Gedichten heraus.

1843 Am 7. Juni stirbt Hölderlin.

Nadja Krebs über das Heidelberg Hölderlins

Der achtzehnjährige Hölderlin berichtet in einem Reisetagebuch für seine Mutter von einer Fahrt mit Verwandten von Schwetzingen nach Heidelberg am 3. Juni 1788. Der Eintrag läßt spüren, wie beeindruckt Hölderlin schon bei der ersten Begegnung mit Heidelberg gewesen ist; manche Motive, die seine berühmten Heidelberg-Ode prägen, werden hier schon angeschlagen. Die Notiz zeigt aber auch, daß Hölderlin auch humorvoll und ironisch schreiben konnte:
„Von Schwetzingen nach Heidelberg hatten wir drei Stunden lang schnurgerade Chaussee - und auf beiden Seiten alte, eichengleiche Maulbeerbäume. Ungefähr um Mittag kamen wir in Heidelberg an. Die Stadt gefiel mir außerordentlich wohl. Die Lage ist so schön, als man sich je eine denken kann. Auf beiden Seiten und am Rücken der Stadt stiegen steile waldichte Berge empor, und auf diesen steht das alte, ehrwürdige Schloß. Ich stieg auch hinauf und machte eine Wallfahrt zu dem berühmten Heidelberger Faß, dem Symbol so manchen Zechers, dem Bonmot so manches Trinklieds. Es ist wirklich so groß, daß man oben ganz bequem herumtanzen kann. Es sind Schranken auf ihm, daß man ohne Gefahr darauf gehen kann. Aber das kann ich versichern, daß ein Fall von seiner Höhe mir ebenso unangenehm wäre, als aus meinem Klosterfenster. Merkwürdig ist auch die neue Brücke daselbst."
[Unsere „Alte Brücke", die gerade in diesem Jahr errichtet worden war, vgl. S. : „Kurfürst Karl Theodor"]

Auch später kommt Hölderlin gelegentlich nach Heidelberg. Heimatliche Gefühle für die Stadt entwickelt er sicher wegen ihrer Lage am Neckar, dem Fluß, an dem auch seine Geburtsstadt Lauffen, der Studienort Tübingen und Nürtingen, der Ort seiner Kindheit, Wohnort der Mutter und häufiger Zufluchtsort Hölderlins, liegen. Die heimatliche Verbindung, die er bei Heidelberg spürt, wird im Entwurf der ursprünglichen zweiten und dritten Strophe der Ode „Heidelberg" deutlich:

Zwar dein Neckar umschlingt auch das verborgene
Städtchen, wo mich der Wald freierem Sinn erzog
Wo mit Strahlen des Maitags
Mich Apollo zuerst beseelt.
Doch gereifter und schon stolzer umschmeichelt dir
Deine Wiesen der Strom, und dem geschäftigern
Wellenspiele vertrauen
Schon die ernsteren Schiffe sich.

 

Die Ode „Heidelberg" im antiken asklepiadeischen Versmaß und in der antiken Tradition des Städtepreises ist im Sommer 1800 entstanden. An Heidelberg berührt Hölderlin vor allem der Strom, der ruhelose, der in die Ebene, die Ferne zieht; dies ist romantischem Sehnen verwandt. Ein Gegengewicht bildet die Stadt und die „schicksalskundige Burg", die die harmonische Verbindung von Menschenwerk, Geschichte, Kunst und Natur bildet und die so dem „Flüchtigen" Bleibe und Dauer ermöglicht. An manche Einzelheiten von Hölderlins Ode erinnert Georg August Wallis’ Gemälde „Das Heidelberger Schloß unter doppeltem Regenbogen" (1812; s. S. ).

HEIDELBERG

Lange lieb’ ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,
Mutter nennen, und dir schenken ein kunstlos Lied,
Du, der Vaterlandsstädte
Ländlichschönste, so viel ich sah.
Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt,
Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
Leicht und kräftig die Brücke,
Die von Wagen und Menschen tönt.
Wie von Göttern gesandt, fesselt’ ein Zauber einst
Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging,
Und herein in die Berge
Mir die reizende Ferne schien,
Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebene zog,
Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön,
Liebend unterzugehn,
In die Fluten der Zeit sich wirft.
Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen
Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn
All’ ihm nach, und es bebte
Aus den Wellen ihr lieblich Bild.
Aber schwer in das Tal hing die gigantische,
Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund
Von den Wettern zerrissen;

Doch die ewige Sonne goß
Ihr verjüngendes Licht über das alternde
Riesenbild, und umher grünte lebendiger
Efeu; freundliche Wälder
Rauschten über die Burg herab.
Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal,
an den Hügel gelehnt, oder dem Ufer hold,
Deine fröhlichen Gassen
Unter duftenden Gärten ruhn.

 

Ebenfalls im Sommer 1800 ist die im alkäischen Versmaß geschriebene Ode „Der Neckar" entstanden. Täler und Hügel wirken befreiend, lebensspendend, der Fluß nimmt den Dichter mit in die Weite, zu den Reizen der Welt. Ganz unmerklich weitet sich der Raum vom Neckar über den Rhein zur ersehnten griechischen Welt, die in einzelnen Orten angerufen wird. Hier werden „dem armen Volk" die Seufzer in Gesänge verwandelt, hier klingt die Musik zum ausgelassenen Tanz. Doch auch im Land der Sehnsucht und der Freude ist immer die Heimat gegenwärtig. In Hölderlins Ode überlagern sich die vertraute Umgebung und die südliche Landschaft ähnlich wie in den Bildern der Heidelberger Maler Ernst Fries (s. S. ) und Carl Rottmann (s. S. ).

DER NECKAR

In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf
Zum Leben, deine Wellen umspielten mich,
Und all der holden Hügel, die dich
Wanderer! kennen, ist keiner fremd mir.
Auf ihren Gipfeln löste des Himmels Luft
Mir oft der Knechtschaft Schmerzen; und aus dem Tal,
Wie Leben aus dem Freudebecher,
Glänzte die bläuliche Silberwelle.
Der Berge Quellen eilten hinab zu dir,
Mit ihnen auch mein Herz und du nahmst uns mit,
Zum stillerhabnen Rhein, zu seinen
Städten hinunter und lustgen Inseln.
Noch dünkt die Welt mir schön, und das Aug entflieht
Verlangend nach den Reizen der Erde mir,
Zum goldenen Paktol, zu Smirnas
Ufer, zu Ilions Wald. Auch möcht ich
Bei Sunium oft landen, den stummen Pfad
Nach deinen Säulen fragen, Olympion!
Noch eh der Sturmwind und das Alter
Hin in den Schutt der Athenertempel
Und ihrer Gottesbilder auch dich begräbt,
Denn lang schon einsam stehst du, o Stolz der Welt,
Die nicht mehr ist. Und o ihr schönen
Inseln Ioniens! wo die Meerluft
Die heißen Ufer kühlt und den Lorbeerwald
Durchsäuselt, wenn die Sonne den Weinstock wärmt,
Ach! wo ein goldner Herbst dem armen
Volk in Gesänge die Seufzer wandelt,
Wenn sein Granatbaum reift, wenn aus grüner Nacht
Die Pomeranze blinkt, und der Mastyxbaum
Von Harze träuft und Pauk und Cymbel
Zum labyrinthtischen Tanze klingen.
Zu euch, ihr Inseln! bringt mich vielleicht, zu euch
Mein Schutzgott einst; doch weicht mir aus treuem Sinn
Auch da mein Neckar nicht mit seinen
Lieblichen Wiesen und Uferweiden.


 

 
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