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International Summer Science Institute 2009 PDF Drucken E-Mail

Ein 4-wöchiges internationales naturwissenschaftliches Programm am Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel.

Bericht von Vitalij Schwarzmann

 

ISSI 2009

 

Zum ersten Mal hörte ich von diesem Programm von Frau Beust, als ich ihr in der Schule in der Pause zusammen mit Nicolas Kocher zufällig begegnet bin.  

  

Da ich schon seit der Kindheit viel mit Naturwissenschaften am Hut habe und mich seit langer Zeit vor allem für Mathematik und Physik sehr interessiere und schon oft erfolgreich an vielen verschiedenen Wettbewerben und Projekten teilgenommen habe, beschloss ich, mich für dieses Programm zu bewerben, obwohl ich meine Chancen, genommen zu werden, für sehr gering hielt. Doch zu meiner Überraschung war meine Bewerbung und das damit verbundene zweistündige Bewerbungsgespräch erfolgreich und ich wurde tatsächlich, so, wie auch Nico und vier weitere Teilnehmer aus Deutschland, zur Teilnahme berechtigt, welche mit einem Stipendium in Höhe von 4700 $ finanziert wurde.
Was sich später als riesengroßer Erfolg und eine Anhäufung von unzähligen neuen Erfahrungen herausstellte, war zunächst nicht viel mehr als eine Mischung aus Vorfreude, Neugier und einer Menge von offenen Fragen. Zwar habe ich schon im Jahr zuvor durch die Teilnahme an einer zwölftägigen organisierten Erkundungsreise durch Israel das Land etwas kennen lernen können und wusste auch schon vieles über die Religion und die Menschen dort, doch auch ich konnte mir kaum vorstellen, was mich beim ISSI erwarten sollte. Ich hatte großen Respekt vor dem „Lab“-Projekt, das mir bevorstand, vor der internationalen ISSI-Gesellschaft, mit lauter mir unbekannten Gesichtern aus 18 verschiedenen Ländern und auch vor dem gesamten Ablauf dieses großen und vielseitigen Programms stand ein großes Fragezeichen.
 
ISSI 2009
  

Doch in Israel angekommen, konnte ich micht recht schnell nicht nur des heißen Klimas erfreuen. Als einer der ersten ankommenden Teilnehmer konnte ich mitverfolgen, wie sich das Camp mit aus allen Richtungen anreisenden jungen Menschen recht schnell füllte. Und so konnte ich schon am ersten Tag einige neue Kontakte knüpfen und erfahren, dass auch die anderen genauso wenig Ahnung von dem, was uns erwartete, hatten, wie ich selbst. Doch genug gerätselt! Die Zeit wartete nicht und das Programm, das sehr schnell vorbeigehen sollte, begann nun erst richtig!

 

In den ersten drei Wochen bildete zweifellos das „Lab“-Projekt für jedermann den Kern der Veranstaltung. Ich persönlich hatte von meinem Thema „Plasmaphysik“, geschweige denn von dem gesamten Projekt, zunächst kaum eine Ahnung, was mir große Sorgen bereitete.

 
Doch ich war schon gleich zu Beginn positiv überrascht davon, dass unser überaus netter und engagierter Mentor meiner „Lab“-Partnerin Elena und mir eine gründliche Einführung in unser Thema gab, sodass wir dank unserem guten physikalischen Vorwissen aus der Schule problemlos in das allemal interessante Projekt einsteigen konnten.
Schon im Voraus erschien mir dieses Thema als sehr interessant, da es verschiedene Bereiche der Physik miteinander zu kombinieren schien. Vor allem die Tatsachen, dass Plasmaphysik ein neues und noch recht unbekanntes Gebiet ist, dass Plasma evtl. eine unerschöpfliche Energiequelle der Zukunft sein soll und dass mehr als 99% des sichtbaren Universums aus Plasma bestehen, machten dieses Gebiet für mich sehr spannend und füllten mich mit Neugier. Fast immer hielten wir uns zwei Mal am Tag im „Lab“ auf und obwohl man auf diesem Programm generell  wegen dem meist unzureichenden Schlaf (dazu später mehr) quasi „dauermüde“ war und man auch oftmals gerne einfach schlafen gehen würde, hat das Projekt zu jedem Zeitpunkt viel Spaß gemacht und wir haben permanent etwas neues und interessantes gelernt. Das Ziel unseres Projekts war es, das Verhalten eines erzeugten expandierenden Plasmas mit und ohne Hinzunahme eines externen Magnetfelds zu untersuchen und zu erklären. Hierzu beschossen Elena und ich ein kleines Aluminium-Plättchen in einer Vakuumkammer mit einem speziell angepassten starken Laser und erzeugten so für Bruchteile einer Sekunde ein Plasma, ein stark elektrisiertes und ionisiertes leuchtendes Gas, das allgemein auch als vierter Aggregatzustand bezeichnet wird. Um Aussagen über das durchaus komplizierte Expansionsverhalten des Plasmas machen zu können, nahmen wir an verschiedenen Stellen Messungen der Lichtsignale vor, die das Plasma aussendete. Diese verarbeiteten wir mit einem speziellen Computerprogramm und erstellten Graphen, die wir schließlich untersuchen konnten. Durch Veränderung der Wellenlänge des Laserlichts konnten wir zwischen neutralem, einfach und doppelt ionisiertem Plasma variieren und so mit verschieden stark geladenem Plasma arbeiten. Ab der zweiten Woche überlagerten wir den verschiedenen Plasmatypen auch ein sehr starkes Magnetfeld, welches bekanntlich geladene Teilchen beeinflusst und untersuchten die Veränderungen im Verhalten des Plasmas. Vielerlei solcher und ähnlicher Experimente werden auf der ganzen Welt von Wissenschaftlern durchgeführt, um mehr über die Eigenschaften des Plasmas herauszufinden und es dann evtl. für den Menschen brauchbar machen zu können. Somit gehörten im Laufe der ersten drei Wochen Begriffe wie Laser, Magnetfeld, Kamera, Vakuum, Signal, Ionen, Spektrometer, Wellenlänge oder Expansionsgeschwindigkeit zu unserem Alltag und es war sehr erfreulich, das gesamte, durchaus komplizierte und aus einer Menge verschiedenster Geräte bestehende System zu überblicken und mit diesem zu arbeiten und Versuche durchzuführen. Und so waren auch die mit Spannung erwarteten Ergebnisse keinesfalls leicht vorherzusagen und waren ein ums andere Mal ein Anlass zur Diskussion.  Wie bereits erwähnt, orientierte sich unser Thema an der aktuellen Forschung und so beeindruckten einige der Ergebnisse auch unseren Mentor. Die letzten Tage in der Physikabteilung nutzten wir schließlich zum Verfassen der sechsseitigen Dokumentation unserer Arbeit am Projekt (auf Englisch) und zur Vorbereitung auf die mündliche Präsentation desselben vor den anderen Teilnehmern. Insgesamt hat das Projekt, auch dank unserem Mentor Dmitry Mikitchuk, mit dem wir uns auch auf Russisch verständigen konnten, bei guter, angenehmer und lockerer Atmosphäre, dem ein oder anderen Snack, viel Hilfe und zahlreichen Erklärungen zum Ablauf und zur Funktionsweise diverser Geräte, sehr viel Spaß gemacht. Neben unserer eigenen Arbeit konnten wir auch ein anderes größeres Labor besichtigen und von Dmitrys Kollegen viel Interessantes lernen. Zum Schluss, nachdem alles absolviert war, war ich sehr froh darüber, dass ich Einblicke in ein sehr interessantes, praxisnahes und zukunftsorientiertes Gebiet erhalten konnte und mich aktiv beteiligen und die Laborarbeit „am eigenen Leib“ erfahren konnte. Außerdem war ich stolz darauf, ein Projekt dieser Größe erfolgreich durchgeführt und abgeschlossen zu haben.
 
 ISSI 2009

 

      

 ISSI 2009
 
Doch damit nicht genug! Das ISSI war noch viel mehr als das beschriebene Projekt im „Lab“. Neben regelmäßigen Vorlesungen für alle Teilnehmer zu den verschiedensten naturwissenschaftlichen Themen, waren die mehrtägigen Ausflüge in weite Teile Israels (bspw. nach Jerusalem, Tel Aviv und in den Norden Israels) eine riesengroße Bereicherung für das Programm und boten so eine ausgezeichnete Möglichkeit, das Land und die Menschen dort kennen zu lernen und waren sowohl für mich als auch für die meisten anderen Teilnehmer gleichzeitig eine Abwechslung und Ablenkung von der wissenschaftlichen Arbeit. Jedermann sah und erlebte viel Neues und Außergewöhnliches und man hatte auch die Zeit, die man während den Arbeitstagen im „Lab“ nicht immer hatte, mit all den anderen Leuten in Kontakt zu treten, diese besser kennen zu lernen und sich gegenseitig zu allen Themen der Welt auszutauschen, was ebenfalls ein immens wichtiger Aspekt des gesamten Programms war. Dies war auch der Grund, warum ich persönlich sehr oft bis etwa 3 Uhr nachts noch aufgeblieben bin und mich weigerte früher ins Bett zu gehen. Denn ich wollte möglichst viel Zeit mit den dort neu gewonnenen Freunden verbringen und diese einmalige Gelegenheit, mit diesen viel Spaß zu haben und interessante Gespräche zu führen, möglichst gut ausnutzen. Dies ist mir, so denke ich, auch recht gut gelungen.
 
Und vor allem nach Abschluss der Arbeit an unseren Projekten freute sich jeder auf den bevorstehenden Ausflug nach Eilat und die anschließenden fünf Wandertage durch die  israelische Wüste „Judäa“. Denn hier galt es, den Körper sehr stark belastende Aufgaben zu bewältigen, was nur in einer Gruppe und einem gut ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl zu bewältigen war. Auch in der Wüste erlebte ich Dinge, wie Wasserfälle oder die Landschaft an sich, die ich sonst zuvor noch nirgendwo zu sehen bekam und nahm an zahlreichen Wanderungen teil, von denen sich jede durch etwas anderes außergewöhnliches auszeichnete. Der bedeutende Nebeneffekt war außerdem, dass vor allem zum Ende hin unsere große Truppe nochmals stark zusammenwuchs.
 

Man genoss die letzten Tage miteinander, bevor man das Ende des Programms und den so schweren und rührenden Abschied von den anderen Teilnehmern hinnehmen musste, bei dem immer wieder zahlreiche Tränen flossen. Es war alles andere als leicht, sich von Menschen zu trennen, mit denen man fast einen Monat lang zusammen gelebt hat und die einem in dieser Zeit wichtig geworden sind. Vor allem wusste keiner von uns, wen von den anderen man überhaupt wiedersehen würde…

 

Und so kann ich mit Überzeugung behaupten, dass jeder von uns nun auf eine unglaubliche, unvergessliche und einzigartige Zeit zurückblickt. Ich persönlich bin allen Personen, die dieses Programm und auch meine Teilnahme daran ermöglicht haben in höchstem Maße dankbar, denn ich schätze all die vielseitigen dort gesammelten Erfahrungen sehr!


  
 ISSI 2009
 
Und nun bleibt uns nur noch die Aufgabe, sich an dieses außergewöhnliche Abenteuer zu erinnern und weiterhin möglichst viele der gesammelten Kontakte zu erhalten und zu pflegen! Ich werde diese, bisher größte und wertvollste Erfahrung meines Lebens, niemals vergessen und möchte dieses Programm jedem, der die Möglichkeit dazu hat, daran teilzunehmen, von Herzen empfehlen!
Vitalij Schwarzmann
 
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